GPT-5 ist das Symptom, die Zeit des einfachen Skalierens ist vorbei
Der KI-Hype ist gerade mit der Wirklichkeit zusammengestoßen.
Er heißt GPT-5.
Monatelang hörten wir Gerüchte über einen revolutionären Sprung Richtung AGI, die Suche nach einer Maschine, die denkt und nicht nur rechnet. Sam Altman versprach ein Modell, bei dem es sich anfühlt, als spräche man mit „einem echten Experten auf Doktorniveau".
Die Wirklichkeit ist ein milliardenschweres Achselzucken.
Um es klar zu sagen: Es gibt Zugewinne in kleinen Schritten. Das Modell ist besser im Programmieren, und OpenAI berichtet in bestimmten Modi weniger Halluzinationen⁷. Das sind aber kleine Nachbesserungen. Sie lenken von der eigentlichen Geschichte ab.
Die eigentliche Geschichte lautet: Der Motor des KI-Fortschritts stottert. Die Zeit des einfachen Skalierens ist vorbei.
Diese Warnung kommt nicht von einem Zyniker. Sie kommt aus dem Herzen der Branche. Ilya Sutskever, früher Mitgründer von OpenAI und Mitgründer des KI-Labors Safe Superintelligence (SSI), hat das bereits Ende 2024 öffentlich erklärt.
Er sagte, der Fortschritt durch bloßes Vergrößern der Modelle sei auf ein Plateau gelaufen, vor allem weil das Internet, der „fossile Brennstoff der KI", eine endliche Ressource ist, die nahezu aufgebraucht wurde³.
Was wir bei GPT-5 sehen, ist kein misslungener Start. Es ist das vorhersehbare Symptom dieser tieferliegenden Krankheit. Die geringen Leistungszuwächse sind eine unmittelbare Folge dieser Skalierungsmauer.
Das sind keine Einzelprobleme. Es sind die Risse in einem Fundament, das das Gewicht der Erwartungen nicht mehr trägt. Der Weg zur AGI sieht anders aus.
Der Ansatz der rohen Kraft ist gescheitert. Der Investorentraum, alle menschliche Expertise durch eine einzige, gottgleiche Maschine zu ersetzen, ist gegen eine Wand gelaufen.
Und daraus ergibt sich ein strategischer Wendepunkt für die europäische Industrie.
Es geht nicht mehr darum, wer die meiste Rechenleistung oder den größten Bestand abgegriffener Daten hat, ein Spiel, das die EU verloren hätte. Das Ende des Skalierens markiert eine neue Zeit.
Auf absehbare Zeit kommt Fortschritt nicht aus größeren Modellen, sondern aus der Anpassung verlässlicherer Systeme.
Das ist ein Spiel von Einfallsreichtum, Präzision und fachlicher Handwerkskunst.
Ein Spiel, das genau auf den Stärken europäischer Unternehmen und besonders des deutschen Mittelstands aufbaut.
Quellen:¹ Gary Marcus, „GPT-5: Overdue, Overhyped, and Underwhelming", Substack, August 2025.² Ethan Mollick, LinkedIn-Beitrag zu Problemen mit der Nutzererfahrung von GPT-5, August 2025.³ Ilya Sutskever, Aussagen bei NeurIPS 2024 und in Reuters-Interviews zu den Grenzen der Skalierungsgesetze.⁴ Andriy Burkov, LinkedIn-Beitrag zu den GPT-5-Ergebnissen, August 2025.⁵ Lasse Rindom, LinkedIn-Beitrag zu technischen Rückschritten bei GPT-5, August 2025.⁶ SplxAI, „GPT-5 Red Teaming Results", SplxAI Blog, August 2025.⁷ OpenAI, „Introducing GPT-5", OpenAI Blog, 7. August 2025.
Quellen
- 1: Gary Marcus, 'GPT-5: Overdue, Overhyped, and Underwhelming,' Substack, August 2025.
- 2: Ethan Mollick, LinkedIn Post on GPT-5 user experience issues, August 2025.
- 3: Ilya Sutskever, Statements at NeurIPS 2024 and in Reuters interviews on scaling law limits.
- 4: Andriy Burkov, LinkedIn Post on GPT-5 results, August 2025.
- 5: Lasse Rindom, LinkedIn Post on GPT-5 technical regressions, August 2025.
- 6: SplxAI, 'GPT-5 Red Teaming Results,' SplxAI Blog, August 2025.
- 7: OpenAI, 'Introducing GPT-5,' OpenAI Blog, August 7, 2025.